Obwohl das Unternehmensergebnis aufgrund der beiden oben genannten Faktoren im ersten Halbjahr 2010/11 höher ausfiel, erzielte die EGL Gruppe eine deutlich tiefere Bruttomarge von CHF 252.2 Mio. (-40%). Zum einen konnte sie im Handelsgeschäft das aussergewöhnlich gute Resultat der Vorjahresperiode nicht erreichen. Hauptgrund dafür war insbesondere das markant schwächere Ergebnis im grenzüberschreitenden Stromhandel zwischen Zentraleuropa und Italien aufgrund geringerer Preisdifferenzen. Zum anderen führten anhaltend moderate Strompreise zu bedeutend weniger Betriebsstunden der Gas-Kombikraftwerke in Italien.
Energy Trading & Origination
Die EGL konnte im Handelsgeschäft das aussergewöhnlich gute Resultat des ersten Halbjahres 2009/10 nicht erreichen. Zwar erzielten die Handelsregionen Italien, Iberia, Nordic & Baltics und UK Ergebnisse im Rahmen der Erwartungen. Doch im grenzüberschreitenden Stromhandel mit Italien fielen die Ergebnisse markant schwächer aus. Grund dafür waren die sich angleichenden Preise zwischen Italien und Zentraleuropa während des Winters. Die EGL konnte weniger Opportunitäten nutzen und musste einen Zerfall der Marge gegenüber dem Vorjahr in diesem Bereich hinnehmen. Auch sind nach der Restrukturierung des in Dietikon ansässigen Energiehandels für Zentral- und Osteuropa die Kosten per Halbjahresabschluss noch nicht im gleichen Masse gesunken wie das Margenpotenzial in diesen Märkten abnahm. Das betriebliche Ergebnis des Geschäftsbereiches Energy Trading & Origination fiel mit CHF 27.5 Mio. klar tiefer aus als im Vorjahr (CHF 208.3 Mio.).
Assets
Der Geschäftsbereich Assets erzielte im ersten Halbjahr ein deutlich besseres betriebliches Ergebnis von CHF 65.7 Mio. als in der Vorjahresperiode (CHF -25.3 Mio.), als insbesondere Ausstiegskosten aus dem Kraftwerksprojekt Energy Plus sowie der Ausfall des Kernkraftwerks Bugey das Ergebnis belastet hatten. Allerdings reduzierten sich gegenüber dem Vorjahr die Betriebsstunden der EGL Gas-Kombikraftwerke in Italien aufgrund der geringen Differenz zwischen Erdgas- und Zertifikatpreis einerseits und dem Strompreis andererseits (Clean Spark Spread). Insgesamt produzierten die Gas-Kombikraftwerke Calenia Energia (EGL Anteil: 85%), Rizziconi Energia (100%) und SE Ferrara (49%) im ersten Halbjahr 2.7 Mrd. kWh Strom (Vorjahresperiode 3.6 Mrd. kWh). Die übrigen Assets der EGL – Wasserkraftwerke in der Schweiz, ein Windpark in Spanien sowie Beteiligungen an Kernkraftwerken in der Schweiz und Bezugsverträge für Kernkraft aus Frankreich – produzierten im Rahmen der Erwartungen und konnten erfolgreich in die Handelstätigkeit integriert werden. Die in Bau befindlichen oder in der Genehmigungs-phase stehenden Asset-Projekte – insbesondere die beiden Windparkprojekte Global Tech 1 und Winbis sowie das Seekabelprojekt NorGer und die Trans Adriatic Pipeline (TAP) – wurden weiterentwickelt und konnten wichtige Meilensteine erreichen.
Gas Supply & Southeast Europe
Das nach wie vor schwierige wirtschaftliche Umfeld insbesondere in Südosteuropa sowie die Entkopplung von Erdgas- und Ölpreis infolge des Nachfragerückgangs und des anhaltenden Angebotsüberhangs in Europa belasteten weiterhin den Geschäftsbereich Gas Supply & Southeast Europe. Dieser Geschäftsbereich konnte daher weniger Opportunitäten nutzen, verbesserte aber sein betriebliches Ergebnis gegenüber dem Vorjahr (CHF -19.3 Mio.) auf CHF -17.2 Mio.
Ausblick
Die Energiemärkte bleiben anspruchsvoll, wobei eine zunehmende Anzahl von externen Faktoren die Ener-giewirtschaft beeinflusst. Namentlich die Auswirkungen der europaweiten Kernkraftdebatte sind für die Stromwirtschaft und für die EGL bis heute nicht einschätzbar. Diese sind von politischen Entscheiden abhän-gig, die in den nächsten Monaten und Jahren getroffen werden. Auch die definitive Bewertung des EGL Übertragungsnetzes in der Schweiz, das derzeit begrenzte Margenpotenzial und der schwache Eurokurs beeinflussen den Geschäftsgang. Eine Prognose des Unternehmensergebnisses ist daher mit hohen Unsi-cherheiten belastet. Auf der Kostenseite werden die eingeleiteten Massnahmen wirksam werden. Mittelfristig geht die EGL davon aus, dass die Strompreise in Zentraleuropa steigen, die Nachfrage nach Erdgas zuneh-men und sich der Clean Spark Spread in Italien wieder vergrössern wird.
Öffentliches Kaufangebot der Axpo Holding AG an die Minderheitsaktionäre der EGL AG
Die Axpo Holding AG hat angekündigt, ein öffentliches Kaufangebot für alle sich noch im Publikum befinden-den Inhaberaktien der EGL AG zu unterbreiten. Zu diesem Zweck hat Axpo heute eine entsprechende Voranmeldung publiziert. Der Angebotspreis beträgt CHF 850 je Inhaberaktie von der EGL, entsprechend einer Prämie von 20.8 Prozent gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 60 Börsentage.
Der Verwaltungsrat der EGL hat zur Beurteilung des Angebots von Axpo einen unabhängigen Ausschuss, bestehend aus Peter Derendinger und Dominik Koechlin, gebildet. Der Ausschuss hat die Bank Sarasin & Cie AG mit der Ausarbeitung einer Fairness Opinion beauftragt und beurteilt, gestützt auf das Ergebnis der Fairness Opinion, den Angebotspreis von CHF 850 pro Inhaberaktie als fair. Der Ausschuss wird daher das Angebot den Minderheits¬aktionärinnen und –aktionären zur Annahme empfehlen. Der Bericht des Verwal¬tungs-rates wird zusammen mit dem Angebotsprospekt und der Fairness Opinion voraussicht¬lich am 27. Juni 2011 publiziert.
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